Adolf Ellissen

male (1815–1972)

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Translations

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  • Ling tai 靈臺: Der Bau von Ling (Anonymous (Shijing))
    in: Ellissen, Adolf. Thee- und Asphodelosblüten. Chinesische und neugriechische Gedichte. Göttingen: Vandenhoeck & Ruprecht, 1840.
    in: Ellissen, Adolf. Chinesische Gedichte. Leipzig; Wien: Bibliographisches Institut, 1888. p. 4.
  • Mu lan shi er shou (1) "Ji ji he li li" 木蘭詩二首 (其一) "唧唧何力力": Mu-Lan (Anonymous (Lu Qinli))
    1. Dfi dfi! Dfi dfi! Mu-Lan sitzt vor der Thür und webt. Du hörst das Weberschiffchen nicht rauschen, Du magst den bangen Seufzern nur lauschen, Von denen der Busen des Mägdleins sich hebt. 2. Mägdlein! Was denkst du? Mägdlein! Was sinnst du? – Sie denkt an nichts, Sie sinnt auf nichts. 3. "Gestern las ich aller Männer Namen, die man ruft zur Wehr; Denn der Sohn des Himmels sammelt ein gewalt'ges Kriegesheer. Zwölf beschriebne Rollen sah ich, drauf die Pflichtigen genannt, Und auf jeder der zwölf Rollen meines Vaters Namen stand. Vater, warum hast du keinen kräftig aufgeblühten Sohn! Mu-Lan, warum ist dein Bruder nicht erstarkt und mannhaft schon! Auf den Marktplatz will ich eilen, kaufen Sattelzeug und Pferd, Statt des Vaters will ich selber mich umgürten mit dem Schwert." 4. Sie kauft auf dem östlichen Markt Ein mutiges Rößlein gleich; Sie kauft auf dem westlichen Markt Sich Decke und Sattelzeug; Sie eilt auf den Markt gen Mittag jetzt Und kauft eine lange Gerte zuletzt. 5. Dem Vater und der Mutter winkt sie morgens früh den letzten Gruß, Und spät am Abend weilt sie schon der Heimat fern am gelben Fluß. Der Eltern Ruf erreicht nicht mehr das Kind, das ihrer Lieb' entflohn. Sie hört vom gelben Flusse nur der Wogen rauschend dumpfen Ton. Am Morgen sagt sie Lebewohl des gelben Flusses goldner Well' Und rastet spät am Abend erst fern an des schwarzen Stromes Quell'. Zum Ohr des teuern Kindes sucht der Eltern Ruf umsonst die Spur; Sie hört den rauhen Waffenlärm von Yen-Schans wilden Reitern nur. 6. "Ich habe das Land Mit dem Schwert in der Hand Viel hundert Meilen durchzogen. Über Berge so steil, Durch den Hohlweg in Eil', Wie ein Vogel bin ich geflogen. "Durch Nordwinds Gewalt Ins Ohr mir schallt Der Klang der nächtlichen Glocke. Des Mondes Strahl So kalt und so fahl Scheint wider vom eisernen Rocke." 7. Der Feldherr sank nach hundert Schlachten nieder, Heim kehrt der tapfre Krieger endlich wieder, Er will sich an des Kaisers Anblick letzen; Des Himmels Sohn verleiht von seinem Throne Dem einen hoher Würden Ehrenkrone, Den andern überhäuft er reich mit Schätzen. "Der Sohn des Himmels fragt, was ich begehre. Ach! Mu-Lans Herz strebt nicht nach Gold und Ehre. Gebt mir ein Tier, das flüchtig wie der Wind Zum Vaterhause trag' ein liebend Kind." 8. Und Vater und Mutter vernehmen, Die Tochter kehret nach Haus, Sie gehen ihr beide entgegen, Sie eilen zum Stadtthor hinaus. Die jüngeren Schwestern vernehmen Die Heimkehr der Schwester entzückt, Sie treten aus ihrem Gemache, Mit reichen Gewändern geschmückt. Und wie von der Ankunft der Schwester Das Brüderlein Kundschaft bekam, Da wetzet er eifrig sein Messer, Will schlachten der Schwester ein Lamm. 9. "Sorgsam führet mich die Mutter In den Pavillon gen Osten, Dort auf abendlichem Sitze Langentbehrte Ruh' zu kosten. Frauengewand umhüllet wieder Statt des Harnisches die Glieder. Ihren prächt'gen Kopfputz ordnend Stehn die Schwestern vor der Thür, Flechten in die schwarzen Haare Goldner Blumen reiche Zier." 10. Und zu den Waffenbrüdern tritt Mu-Lan vor das Haus. Wie spricht sich Schreck und Staunen in aller Augen aus! Wohl hat sie lange Jahre gekämpft in ihren Reihn, Doch wer hat je geahndet in ihr ein Mägdlein zart und fein? 11. Wohl witterst du leicht das männliche Wild, wenn's strauchelt im zögernden Laufe. Und das Weibchen erkennst du schnell in der Näh' am scheuen, verschüchterten Blicke, Doch laufen zugleich sie vorüber in Hast, wie ist das Geschlecht zu erkunden?

    in: Ellissen, Adolf. Chinesische Gedichte. Leipzig; Wien: Bibliographisches Institut, 1888. p. 16-19.